Einführung

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"Christine Venjakob beherrscht die Kunst der Aquarellmalerei, sie gilt zu Recht als eine Meisterin dieses Fachs."

Vorwort zum Ausstellungskatalog 2016
"In meinem Garten"

 

In meinem Garten. Der Titel einer Bilderfolge von Christine Venjakob bedeutet dem interessierten Betrachter, der Künstlerin folgen zu dürfen in ihr privates Refugium, an einen Ort des persönlichen Glücks und der künstlerischen Inspiration. 25 großformatige Blumen- und Früchtestillleben zeugen von einer intensiven Zwiesprache der Künstlerin mit der Natur. Die eigentliche Auseinandersetzung mit dem Sujet findet jedoch nicht im Garten statt, sondern vielmehr im Haus und schließlich im Atelier. Nach eigener Aussage arrangiert die Künstlerin ganz intuitiv an den verschiedensten Stellen ihres Hauses freie Bouquets, die sie vorher ihrem Garten entnommen hat. Wiederholt werden wechselnde Perspektiven, Beleuchtungssituationen und Zustände festgehalten, mithin auch das Welken und Vergehen der dargestellten Blumen. Bemerkenswert ist das besondere Spannungsverhältnis zwischen Pflanzengebinde und Behältnis, also zwischen gewachsener und gebauter Form (Korb, Schale, Topf, Vase). Nicht selten erhält die Vase im Bild einen bemerkenswerten körperlichen oder auch farblichen Eigenwert zugewiesen, was der Gesamtkomposition fast spielerisch zusätzlichen Reiz verleiht.

 

Christine Venjakob beherrscht die Kunst der Aquarellmalerei, sie gilt zu Recht als eine Meisterin dieses Fachs. Ihre besondere Souveränität drückt sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie mit sicherem Impetus andere Maltechniken zur Akzentsetzung mit einfließen lässt, neben den Aquarell- auch Tusche- und Acrylfarben und sogar Goldbronze, neben dem Pinsel auch den Rundstab, den Graphitstift und die Pastellkreide verwendet; es wird gemalt, gezeichnet, gestrichelt, getropft, gespritzt und gekratzt. Wichtigste Farbe ist das Weiß des Malkartons. Ihm seine Kraft zu lassen, heißt für die Künstlerin, sich auf wenige Gesten zu beschränken und stark zu abstrahieren. Dabei muss vom Hellen zum Dunklen gearbeitet werden, jeglicher Farbauftrag bleibt als Einzelform präsent und ist irreversibel, eine zaudernde Haltung im Malvorgang nicht angebracht. Anders die fünf ersten Arbeiten in diesem Katalog, sie folgen mit jeweils in deckenden Farben angelegtem Hintergrund eher den Regeln der Leinwandmalerei.

 

Die so entstandenen Bilder geben sich fern aller Sentimentalität. Neben Anklängen an die Tradition der europäischen Stilllebenmalerei einerseits und der japanischen Tuschmalerei andererseits und selbst eingedenk des von ihr als Vorbild verehrten Aquarellkünstlers Oskar Koller (1925 – 2004), sprechen die Bilder von Christine Venjakob eine ganz eigene, so zarte wie kraftvoll zupackende, expressive Sprache. Man wird nie müde, ihr zu lauschen.

 

Prof. Dr. Hildegard Wiewelhove
Leiterin Museum Huelsmann, Kunst + Design, Bielefeld